10. A. Die Rechtschaffenen und das Gebieten des Guten, das Verbieten des Schlechten und das Erteilen von Ratschlägen an die Muslime während des Haddsch:
Bischr ibn Al-Hârith berichtete: „Al-Fudail ibn Iyâd sah einen Mann, der in Arafa (die Menschen) um etwas bat, so sagte er zu ihm: „Wen ersuchst du an diesem Ort um Hilfe außer Allâh?“
Ya‘lâ ibn Harmala sagte: „Al-Haddschâdsch hielt am Tag von Arafa eine Rede in Arafa und sprach lange. Abdullâh ibn Umar sagte: ‚Wahrlich, dieser Tag ist ein Tag des Gedenkens (Dhikr).‘ Al-Haddschâdsch fuhr fort. Abdullâh wiederholte dies zwei- oder dreimal und sagte dann: ‚Nâfi, rufe zum Gebet!‘ Al-Haddschâdsch stieg ab.“ Ich möchte hinzufügen, dass Abdulmalik ibn Marwân an Al-Haddschâdsch geschrieben hatte, dass er Ibn Umar während des Haddsch nicht widersprechen sollte.
Abû Nu‘aim sagte: „Als (der Kalif) Al-Mahdî nach Mekka kam, war Sufyân At-Thaurî bereits dort. Al-Mahdî lud ihn zu sich ein. Als Sufyân sah, welchen Aufwand Al-Mahdî für den Haddsch betrieben hatte, sagte er: ‚Fürchte Allâh und denke daran, dass Umar ibn Al-Chattâb (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) den Haddsch vollzog und nur sechzehn Dinar ausgab.‘ In einer anderen Überlieferung sagte Sufyân: ‚Was sind das für Zelte? Was sind das für Pavillons?‘ Umar ibn Al-Chattâb vollzog den Haddsch und fragte: ‚Wie viel haben wir für unseren Haddsch ausgegeben?‘ Als man ihm einen vergleichsweise hohen Betrag nannte, entgegnete er: ‚Wir haben verschwendet.‘“
Sufyân At-Thaurî sagte: „Ich wurde zu Al-Mahdî in Minâ geführt und sagte zu ihm: ‚Fürchte Allâh, denn du hast diese Position und diesen Ort nur durch die Schwerter der Muhâdschirûn (Auswanderer aus Mekka) und Ansâr (Helfer aus Medina) erreicht; ihre Söhne sterben vor Hunger. Umar ibn Al-Chattâb vollzog den Haddsch und gab nur fünfzehn Dinar aus. Er pflegte unter Bäumen zu übernachten.‘ Al-Mahdî sagte zu mir: ‚Willst du, dass ich wie du bin?‘ Ich antwortete: ‚Sei nicht wie ich, aber sei weniger extravagant als du es jetzt bist und bescheidener als ich es bin!‘ Er sagte zu mir: ‚Geh hinaus.‘“
Fazit: Ein Beispiel dafür, wie der Prophet während der Pilgerfahrt Schlechtes missbilligte, findet sich in einem Hadîth, der von Abdullâh ibn Abbâs überliefert und in den beiden Sahîh-Sammlungen erwähnt wird. Ibn Abbâs sagte: „Al-Fadl ibn Abbâs ritt hinter dem Gesandten Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken). Eine Frau aus dem Stamm der Chath‘am kam. Al-Fadl sah sie an, und sie sah ihn an. Der Gesandte Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) drehte Al-Fadls Gesicht zur anderen Seite. Sie sagte: ‚Gesandter Allâhs, die Pflicht der Diener Allâhs zum Haddsch hat meinen Vater in einem hohen Alter erreicht. Er kann nicht mehr fest auf dem Reittier sitzen. Darf ich den Haddsch für ihn vollziehen?‘ Der Prophet antwortete: ‚Ja.‘ Dies geschah während des Abschieds-Haddsch.“
Dieser bedeutende Hadîth vermittelt uns mehrere wichtige Lehren:
- Es ist erlaubt, Schlechtes zu ändern, wenn man es sieht, je nachdem, wozu man in der Lage ist.
- Beim Missbilligen von Schlechtem sollte man Sanftmut und Weisheit walten lassen. Schaich Al-Islâm Ibn Taimiyya sagt über diesen wichtigen Punkt: „Zwei Gruppen von Menschen irren sich in dieser Hinsicht. Die erste Gruppe unterlässt es gänzlich, Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verbieten … Die zweite Gruppe hingegen versucht, diese Pflichten zu erfüllen, geht dabei jedoch oft zu weit oder unangemessen vor. Ihnen fehlt es an dem nötigen Wissen, der Geduld oder der Fähigkeit, die Situation richtig einzuschätzen. Sie greifen sowohl verbal als auch physisch ein, ohne zu berücksichtigen, was davon angemessen ist und was nicht, und wozu man in der Lage ist und wozu nicht. Dies wird deutlich in einem Hadîth von Abû Tha‘laba Al-Chuschanî, der den Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) nach dem entsprechenden Qurânvers befragte (Koran 5:105, AdÜ). Der Prophet antwortete: ‚Sondern sie sollen das Gute gebieten und das Schlechte verbieten, bis du siehst, dass Geiz befolgt wird, Begierden gehorcht werden, die Welt vorgezogen wird und jeder von seiner eigenen Meinung überzeugt ist. Dann kümmere dich nur um dich selbst und lass die einfachen Leute in Ruhe. Denn nach euch werden Tage der Geduld kommen, in denen die Geduld wie das Festhalten an glühenden Kohlen sein wird. Wer in diesen Tagen Gutes tut, wird den Lohn von fünfzig Männern erhalten, die das Gleiche tun.‘ Oft wird Gutes geboten und Schlechtes verboten, weil man glaubt, damit Allâh und Seinem Gesandten zu gehorchen. Doch häufig wird dabei übertrieben. Viele Anhänger von unerlaubten Neuerungen und religiöser Irrlehren haben sich dem Gebieten des Guten und dem Verbieten des Schlechten verschrieben, wie die Chawâridsch, die Mu‘tazila, die Schiiten und andere, die im Gebieten, Verbieten, in ihrem Dschihâd und anderen Dingen Fehler machten, sodass mehr Schaden als Nutzen entstanden ist! Deshalb befahl der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), die Ungerechtigkeit der Herrscher zu ertragen, und verbot, sie zu bekämpfen, solange sie das rituelle Pflichtgebet verrichten. Der Prophet sagte: ‚Gewährt ihnen ihre Rechte und bittet Allâh um eure Rechte.‘ ... Eines der Grundprinzipien der Sunniten ist es, an der Gemeinschaft der Gläubigen festzuhalten, die Herrscher nicht zu bekämpfen und in Zeiten der Zwietracht (Fitna) an keinem Kampf teilzunehmen.“
- Ein weiteres Verbot ist der Blick auf fremde Frauen.
- Der Hadîth zeigt, dass der Imâm dafür sorgen muss, dass Männer und Frauen getrennt werden, wenn die Gefahr einer Versuchung besteht. Frauen sollten nicht an Orten sein, wo sie Männer sehen und von ihnen gesehen werden, wie beispielsweise in Städten, auf Märkten oder an anderen öffentlichen Plätzen. Der Gesandte Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Ich habe nach mir keine Fitna (Versuchung) hinterlassen, die für die Männer schädlicher ist als die Frauen.“
- Der Hadîth erlaubt das Reiten hinter einem anderen. Dies ist ein Zeichen der Demut. Alle Handlungen des Gesandten Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sind Sunna, und es ist gut, ihm in allem nachzueifern. Es ist schön, hinter einem angesehenen Mann zu reiten.


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